Bei meiner einzigen Israelreise sah ich den Weg zwischen Nazareth und Kapernaum, den Jesus oft ging. Eine Entfernung von vielleicht 40 Kilometern - Zeit genug, um ausgiebig mit der Jüngern zu sprechen, gelegentlich anzuhalten oder in Ruhe über die tieferen Fragen des Lebens nachzusinnen. Diese Wanderstrecken waren immer auch Zeiten, um innerlich auszuruhen, Da war Stille, leere Zeit - Zeit für die Seele.
Wenn man das Neue Testament liest, entdeckt man plötzlich all diese Pausen, die stillen Augenblicke, wo Jesus sich Zeit nahm. Frühmorgens, bevor es Tag wurde, ging er in die Berge, um zu beten. Später kam Petrus zu ihm, sagte: "Jeder sucht dich!" und wollte ihn zu mehr Aktivität nötigen. Aber Jesus verbrachte seine Zeit in der Gemeinschaft mit dem Vater, so dass er Nein sagen konnte, als Petrus kam - weil er Gott begegnet war. Ich hätte vermutlich Ja gesagt - weil ich nicht aus der Stille heraus reagiert hätte. Wenn man mir gesagt hätte: "Jeder will dich", dann hätte ich gedacht::" man braucht mich ! Das muß der Ruf Gottes sein !" Ist das nicht entlarvent?
Der Umgang mit der Zeit ist die erste große Lehre in der Bibel. Die Bibel beginnt mit einem Gott, der am siebten Tage ruht. Dabei wird Gott ja gar nicht müde - Gott ist Gott. Warum also Ruhe ? Offensichtlich wollte er uns ein Vorbild geben. -
Mit diesen Sätzen aus einem Artikel von Gordon McDonald der Zeitschft Aufatmen (" Jahr der Stille", S.15) möchte ich Sie gerne mit hinein nehmen in dieses Jahr der Stille, das mit dem Advent 2009 beginnt und bis zum letzten Sonntag im Kirchenjahr 2010 dauert. Ein Jahr, durch das sich Christen vieler Gemeinden und Kirchen anregen lassen möchten, Stille zu suchen - Stille vor Gott. Stille rinnt uns in der lärmenden, hektischen Welt zu leicht durch die Finger und geht uns verloren. Wir wollen in unserer Gemeinschaftsarbeit mit Predigten, in Veranstaltungen und verschiedenen anderen Möglichkeiten, die Anregungen für uns nutzen. Denn wie Jesus Christus, so brauchen auch wir diese stillen Zeiten in der Gegenwart des Vaters im Himmel.
Die Zeiten, die uns helfen, zu unterscheiden, was wichtig ist für unsere Leben. Zeiten, die uns helfen, uns nicht abhängig von Menschen und ihren Meinungen zu machen, sondern von dem Herrn, zu dem wir gehören. Ich lade Sie ein, sich darauf mit uns einzulassen. Die Advents- und Weihnachtszeit bietet dazu den Einstieg.
In dem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.
Ihr Rainer Hübner
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