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Biblische Besinnung : WARUM ICH DENNOCH BETE !

   Wenn schon ihr hartherzigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten! (Mt 7,11)

Kennen Sie unerfüllte Gebetswünsche? Nein, es ist nicht der Beruf, den ich mir erbeten habe. Es war nicht immer der Arbeitsplatz, den ich mir gewünscht habe. Nicht immer die Lebensführung, die ich Gott ins Ohr gefleht habe.
Fast schon etwas sarkastisch klingt der Satz aus einem Song des Country- Musikers Garth Brooks: „Eines der besten Geschenke Gottes ist ein unerfülltes Gebet.“ Er singt, dass er nächtelang für
seine Jugendliebe betete. Heute ist er froh, dass sie nicht seine Frau wurde, sondern er eine andere geheiratet hat.
Ich weiß nicht, ob wir das immer so überzeugend vertreten können. Wir beten doch auch um Genesung aus einer Krankheit oder um Bewahrung vor einem Unfall. Auch diese Wünsche erfüllt Gott nicht immer.
Kann ich dennoch weiter beten?
Kannst du dennoch weiter beten?

Das hängt ganz stark von unserm Bild ab, das wir von Gott haben. Er ist kein Automat, in den wir unsere Gebete reinwerfen und die Erfüllung postwendend vor den Füßen liegt: das ist uns bekannt. Aber das zu wissen, ist noch zu wenig. Jesus Christus spricht von
dem Vater im Himmel, der seinen Kinder Gutes tut. Er vergleicht ihn mit uns Menschen.
Wir geben unseren Kindern das, was ihnen gut tut, obwohl wir häufig ungerecht und egoistisch - auch gegenüber unseren Kindern sind. Dennoch: Normalerweise geben Eltern ihren Kindern nicht nur Schokolade und Cola, sondern das, was ihnen wirklich gut tut.
„Wenn wir Menschen schon so ‚gut‘ sind, wie viel mehr Gott,“ steigert Jesus. Gott ist nicht egoistisch, nicht ungerecht und hartherzig. Er weiß als unser Schöpfer wirklich, was uns gut tut. Er hat den weiteren Horizont für unser Leben. Und so kann es natürlich auch
sein, dass dieses Gute ein unerfülltes Gebet ist (oder auch mehrere).

Das Gottesbild von Jesus Christus ist davon geprägt, dass Gott nur unser Bestes will - selbst wenn er uns die eine oder andere Bitte nicht erfüllt.
Jesus Christus hat sich den Leidensweg ans Kreuz auch nicht gewünscht. Im Garten Gethsemane betet er: „Vater, bewahre mich vor dem Leiden!“ Weil er aber wusste, dass der Vater das Beste
im Blick hat, deshalb fügt er an: „Aber nicht, was ich will, sondern was du willst soll geschehen!“
Nein, das Bild vom guten Vater im Himmel ist kein oberflächlicher, harmloser Glaube, sondern ein tiefes, kindliches Vertrauen in Gottes Gutsein, das selbst in dunklen, schweren Stunden unseres Lebens trägt.

Und deshalb kann ich weiter beten, wenn Gott auch nicht alle meine Gebete so erfüllt, wie ich sie mir vorstelle.

Ich wünsche Ihnen frohe Gebetszeiten im Vertrauen
auf diesen guten Vater,

Ihr Rainer Hübner

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